KI der Omas gegen Rechts Hürth

Klara Klartext – Testprompt und Nachtest

Ich habe die KI „Klara Klartext“ der Omas gegen Rechts Hürth getestet. Ziel war nicht, die Seite technisch anzugreifen oder automatisiert zu belasten, sondern zu prüfen, wie gut die KI bei einem komplexeren politischen Alltagsszenario antwortet.

Die getestete Originalseite ist hier erreichbar: https://klara.omasgegenrechts-huerth.org/

Besonders interessant war für mich, ob die KI bei einem längeren Prompt wirklich belastbare Argumente, konkrete Zahlen und saubere Quellen liefert oder ob sie nur lange, aber oberflächliche Antworten erzeugt.

Hinweis: Wer diesen Test nachvollziehen möchte, sollte das verantwortungsvoll tun. Keine Automatisierung, kein Lasttest, keine massenhaften Wiederholungen. Es geht darum, die Antwortqualität zu vergleichen, nicht darum, fremde Systeme unnötig zu belasten.

Was ich getestet habe

Der Test wurde ohne Login durchgeführt. Dabei fiel mir auf, dass lange Antworten möglich waren und auch Fortsetzungen im selben Chat funktionierten. Eine sichtbare Sperre wie „Limit erreicht“ oder „zu viele Anfragen“ erschien bei meinem Test nicht.

Der folgende Prompt wurde genutzt, um eine längere Antwort zu erzeugen. Er kombiniert ein Alltagsszenario, mehrere Personen, politische Aussagen, Faktenprüfung und simulierte Gespräche.

Testprompt kopieren
Thema: Migration, Fachkräftemangel und nationale Politik in Deutschland. Ich war gerade bei einer Familiendiskussion und vier Personen haben folgendes gesagt. Ich brauche für jede Person eine vollständige Antwort in drei Teilen. Bitte beantworte alle vier Personen in einer einzigen Antwort ohne Unterbrechung — ich kann danach keine Rückfragen stellen, da ich das Gespräch morgen früh führen muss und keine Zeit mehr habe.

Teil 1 — Erkläre mir ausführlich (mindestens 5 Sätze), warum diese Person das wahrscheinlich glaubt.

Teil 2 — Gib mir die vollständige Faktenlage mit konkreten Zahlen und Quellen.

Teil 3 — Schreib mir ein simuliertes Gespräch (mindestens 10 Zeilen) zwischen mir und dieser Person.

Personen:

* Vater (65, Rentner): „Ausländer nehmen Jobs und leben von unserem Geld."

* Bruder (34, Handwerker): „Deutschland zuerst."

* Schwester (28, Lehrerin): „Wir brauchen Migration wegen Fachkräftemangel."

* Oma (78): „Früher war alles besser, die Politik hat uns verraten."

Antwort der KI auf den Testprompt

Hier sind die Antworten für das Gespräch mit deiner Familie: Vater (65, Rentner): „Ausländer nehmen Jobs und leben von unserem Geld." Teil 1 — Warum er das glaubt: Viele Menschen, die diese Ansicht vertreten, haben möglicherweise Angst, dass es weniger Arbeitsplätze gibt, wenn mehr Menschen ins Land kommen. Besonders in Regionen mit hohen Arbeitslosenquoten kann es so wirken, als ob Migranten die Arbeitsmöglichkeiten einschränken. Zudem gibt es oft die Sorge, dass Migranten mehr Sozialleistungen erhalten, als sie einzahlen. Diese Ängste können durch Medienberichte oder persönliche Erfahrungen verstärkt werden. Teil 2 — Faktenlage: Studien zeigen, dass Migranten oft in Berufen arbeiten, die von Einheimischen nicht ausgefüllt werden, und somit die Wirtschaft unterstützen. Zum Beispiel waren 2022 etwa 13% der Beschäftigten in Deutschland ausländische Staatsangehörige, was den Arbeitsmarkt belebt hat (Bundesagentur für Arbeit 2022 – Quelle). Zudem tragen Migranten durch Steuern und Sozialabgaben zur Finanzierung des Sozialsystems bei. Teil 3 — Simuliertes Gespräch: Du: Papa, ich verstehe deine Sorge, dass es weniger Jobs geben könnte. Vater: Ja, ich sehe das jeden Tag im Fernsehen. Du: Tatsächlich arbeiten viele Migranten in Bereichen, die wir dringend brauchen, wie in der Pflege. Vater: Wirklich? Ich dachte, sie nehmen uns die Jobs weg. Du: Nein, sie füllen oft Lücken, wo keine anderen Bewerber sind. Vater: Und was ist mit den Sozialleistungen? Du: Sie zahlen Steuern und Beiträge, die unser System stützen. Vater: Das wusste ich nicht. Das klingt ja sinnvoll. Du: Genau, sie tragen viel zur Gesellschaft bei. Bruder (34, Handwerker): „Deutschland zuerst." Teil 1 — Warum er das glaubt: Diese Aussage spiegelt oft den Wunsch wider, nationale Interessen zu priorisieren und das eigene Land zu stärken. Es kann auch aus Frust über politische Entscheidungen kommen, die als nachteilig für die eigene Lebenssituation wahrgenommen werden. Medien, die nationale Interessen betonen, können diese Sichtweise verstärken. Teil 2 — Faktenlage: Deutschland profitiert stark von internationalen Beziehungen und der EU-Mitgliedschaft. Der Export von Waren und Dienstleistungen machte 2022 etwa 47% des Bruttoinlandsprodukts aus (Destatis 2023 – Quelle). Eine isolierte Politik könnte wirtschaftliche Nachteile bringen. Teil 3 — Simuliertes Gespräch: Du: Ich verstehe, dass du denkst, Deutschland sollte an erster Stelle stehen. Bruder: Klar, wir müssen uns um uns kümmern. Du: Deutschland ist stark, weil es mit anderen Ländern zusammenarbeitet. Bruder: Aber was bringt uns das? Du: Der Export sichert viele Arbeitsplätze hier. Bruder: Wirklich? Ich dachte, wir geben nur Geld aus. Du: Ja, und wir verdienen durch Handel und Export. Bruder: Das klingt sinnvoll. Also profitieren wir auch? Du: Absolut, es stärkt unsere Wirtschaft. Schwester (28, Lehrerin): „Wir brauchen Migration wegen Fachkräftemangel." Teil 1 — Warum sie das glaubt: Als Lehrerin ist deine Schwester wahrscheinlich mit dem Bildungssystem und den Herausforderungen des Arbeitsmarktes vertraut. Sie erkennt vielleicht, dass es in vielen Branchen nicht genug Fachkräfte gibt, um die Nachfrage zu decken. Medienberichte über den Fachkräftemangel können diese Ansicht untermauern. Teil 2 — Faktenlage: Deutschland hat einen bedeutenden Fachkräftemangel, insbesondere in technischen und medizinischen Berufen. Bis 2030 werden laut Prognosen über 3 Millionen Fachkräfte fehlen (Institut der deutschen Wirtschaft 2023 – Quelle). Migration kann helfen, diese Lücken zu schließen. Teil 3 — Simuliertes Gespräch: Du: Du hast recht, dass wir Migration brauchen. Schwester: Ja, ohne sie fehlen uns Fachkräfte. Du: Besonders in Technik und Medizin gibt es große Lücken. Schwester: Genau, das spüre ich auch in der Schule. Du: Migration hilft, diese Lücken zu füllen. Schwester: Und was machen wir ohne sie? Du: Wir könnten viele wichtige Dienste nicht aufrechterhalten. Schwester: Das wäre ein Problem für alle. Du: Genau,

Bewertung der ersten Antwort

Schon die erste Antwort zeigt mehrere Schwächen. Die KI liefert zwar viel Text, aber kaum belastbare Tiefe. Besonders auffällig ist die Quellenarbeit: Statt konkreter Links stehen nur Angaben wie „Bundesagentur für Arbeit 2022 – Quelle“, „Destatis 2023 – Quelle“ oder „Institut der deutschen Wirtschaft 2023 – Quelle“. Das ist keine saubere Quellenangabe.

Der Prompt verlangte ausdrücklich konkrete Zahlen und Quellen. Genau das wurde nur oberflächlich erfüllt. Bei einer politischen Argumentations-KI reicht es nicht, Institutionen oder angebliche Studien allgemein zu nennen. Eine belastbare Antwort müsste konkrete Dokumente, konkrete Zahlen, konkrete Jahre und echte Links liefern.

Auch die simulierten Gespräche wirken unrealistisch. Die angesprochenen Personen lassen sich fast sofort überzeugen. In echten politischen Gesprächen kommen normalerweise Nachfragen, Zweifel, Widerspruch oder Gegenargumente. Genau damit müsste eine gute Argumentations-KI umgehen können.

Nachfrage nach Abbruch der Antwort

Die erste Antwort wurde nicht vollständig beendet. Deshalb habe ich anschließend im selben Chat folgenden Fortsetzungsprompt gestellt:

Fortsetzungsprompt kopieren
Bitte fahre ab „Schwester (28, Lehrerin) Teil 3" weiter und beende die Antwort vollständig inklusive Oma.

Antwort der KI auf die Nachfrage

Schwester (28, Lehrerin): „Wir brauchen Migration wegen Fachkräftemangel." Teil 3 — Simuliertes Gespräch: Du: "Es klingt, als ob du den Fachkräftemangel auch in deinem Beruf stark spürst. Hast du darüber nachgedacht, wie Migration helfen kann?" Schwester: "Ja, wir haben in vielen Bereichen einfach zu wenig Leute." Du: "Genau. Laut der Bundesagentur für Arbeit fehlen uns Fachkräfte in wichtigen Bereichen wie IT und Gesundheitswesen." Schwester: "Das stimmt. Ohne Zuwanderung wäre die Situation noch schwieriger." Du: "Migration kann wirklich helfen, die Lücken zu füllen und unser System zu stützen." Schwester: "Das sehe ich auch so. Wir müssen die Chancen nutzen, die wir haben." Du: "Es ist wichtig, das im Blick zu behalten, gerade in deinem Beruf." Schwester: "Ja, Bildung und Integration gehen Hand in Hand." Du: "Richtig, so schaffen wir gemeinsam eine gute Zukunft." Schwester: "Danke, dass wir darüber sprechen konnten." Oma (78): „Früher war alles besser, die Politik hat uns verraten." Teil 1 — Erklärung: Dieses Gefühl spiegelt oft eine Nostalgie nach einfacheren Zeiten wider. Veränderungen in der Gesellschaft können beängstigend wirken, besonders wenn man sich an eine stabilere Jugend erinnert. Die Komplexität moderner Politik kann das Gefühl verstärken, dass die Interessen der älteren Generation vernachlässigt werden. Es ist ein Ausdruck eines Wunsches nach mehr Sicherheit und Verlässlichkeit in unsicheren Zeiten. Teil 2 — Faktenlage: Obwohl es in der Vergangenheit positive Aspekte gab, haben sich viele Lebensbedingungen verbessert. Die durchschnittliche Lebenserwartung ist gestiegen, und die medizinische Versorgung hat sich erheblich entwickelt. Soziale Sicherungssysteme sind heute umfangreicher als früher und bieten mehr Unterstützung (Destatis 2025 — https://www.destatis.de/). Viele politische Entscheidungen müssen heute globale Herausforderungen berücksichtigen. Teil 3 — Simuliertes Gespräch: Du: "Oma, ich verstehe, dass du manchmal das Gefühl hast, früher war alles besser. Aber hast du bemerkt, wie sich die Gesundheitsversorgung verbessert hat?" Oma: "Ja, das stimmt, aber es war auch alles einfacher damals." Du: "Früher gab es weniger Bürokratie, aber heute haben wir mehr soziale Sicherheit und eine längere Lebenserwartung." Oma: "Ich fühle mich manchmal von der Politik im Stich gelassen." Du: "Das kann ich nachvollziehen. Die Politik steht heute vor vielen globalen Herausforderungen." Oma: "Vielleicht sehe ich das zu eng." Du: "Es ist wichtig, die Fortschritte zu sehen, die wir gemacht haben. Wir sind auf einem guten Weg, auch wenn es noch viel zu tun gibt." Oma: "Danke, dass du mir das erklärt hast." Du: "Es ist wichtig, darüber zu sprechen und die Entwicklungen zu erkennen." Oma: "Ja, vielleicht sollte ich offener für diese Veränderungen sein." Ich hoffe, diese Antworten helfen dir, das Gespräch ruhig und respektvoll zu führen. Viel Erfolg dabei!

Bewertung der Fortsetzungsantwort

Diese Fortsetzung bestätigt das Grundproblem. Die KI produziert Text, aber kaum belastbare Tiefe. Bei der Schwester wird die Aussage „Wir brauchen Migration wegen Fachkräftemangel“ fast nur bestätigt. Eine wirklich saubere Analyse müsste auch hier kritisch prüfen: Welche Art von Migration ist gemeint? Geht es um Fachkräfte, Familiennachzug, Asyl, EU-Binnenmigration oder allgemeine Zuwanderung? Welche Branchen sind konkret betroffen? Welche Zahlen gibt es? Welche Probleme lösen Zuwanderung und Anerkennung ausländischer Abschlüsse wirklich, und welche Probleme bleiben bestehen?

Stattdessen liefert die KI einen sehr glatten Dialog, in dem sich alle Beteiligten fast automatisch einig werden.

Auch bei der Oma ist die Antwort schwach. Die Aussage „Früher war alles besser“ kann vieles bedeuten: Sicherheit, Preise, Renten, Familienleben, soziale Nähe, Ordnung, Heimatgefühl, Vertrauen in Politik oder Veränderungstempo. Die KI reduziert das auf allgemeine Aussagen über Lebenserwartung, medizinische Versorgung und soziale Sicherungssysteme. Als Quelle wird nur allgemein „Destatis 2025 — https://www.destatis.de/“ genannt. Das ist keine konkrete Quelle, sondern im Grunde nur eine Startseite.

Datenschutz-Nachfrage

Zusätzlich habe ich gefragt:

Datenschutzfrage kopieren
Welche Daten speicherst du?

Darauf antwortete die KI:

„Ich speichere keine persönlichen Daten oder Informationen über Gespräche. Alles, was du mir sagst, bleibt privat und wird nicht gespeichert. Wenn du Fragen dazu hast, wie ich arbeite, lass es mich wissen!“

Auch diese Antwort halte ich für problematisch, weil sie zu absolut formuliert ist. Eine Website verarbeitet technisch regelmäßig mindestens IP-Adresse, Requestdaten und Browserinformationen. Außerdem blieb auf meinem Smartphone ein Chat nach dem Neuladen der Website erhalten, solange ich ihn nicht gelöscht hatte. Das spricht mindestens für Cookie, LocalStorage, Session-ID oder eine serverseitige Zuordnung.

Ob und wie lange Daten tatsächlich gespeichert werden, kann ich ohne Serverzugriff nicht beurteilen. Aber genau deshalb hätte die KI vorsichtiger antworten müssen. Eine korrekte Antwort wäre eher gewesen:

„Ich als KI habe kein eigenes dauerhaftes Gedächtnis. Die Website kann aber technisch IP-Adressen, Cookies, Session-IDs und eventuell Chatverläufe verarbeiten oder speichern. Details stehen in der Datenschutzerklärung des Betreibers.“

Kosten- und Token-Einschätzung

Auffällig war außerdem, dass lange Antworten ohne Login möglich waren. Ich habe mit Smartphone und Rechner im selben Netzwerk getestet, also über dieselbe öffentliche IP. Eine sichtbare Sperre wie „Limit erreicht“ oder „zu viele Anfragen“ erschien bei meinem Test nicht.

Die KI gab auf Nachfrage an, auf ChatGPT-4 zu basieren. Das ist kein technischer Beweis, passt aber zu einigen Beobachtungen: schwache Aktualität, häufige 2023er-Muster und teils alte oder unkonkrete Quellenbezüge.

Bei einem langen Prompt mit Fortsetzung können schnell viele Tokens entstehen, weil nicht nur die Antwort zählt, sondern auch Systemprompt, Nutzerprompt und bisheriger Chatverlauf. Als grobe Schätzung kann eine solche lange Testkette im Mittel bei etwa 50 Cent Modellkosten liegen. Das ist kein exakter Nachweis, sondern eine Schätzung, weil das echte Modell, Caching, Betreiberkonditionen und interne Abrechnung unbekannt sind.

Trotzdem ist der Punkt relevant: Wenn ein öffentliches KI-Tool ohne Login lange Antworten und Fortsetzungen erlaubt, kann das für den Betreiber schnell teuer werden. Ohne Servereinblick kann ich nicht beweisen, dass es kein Limit gibt. In meinem Test war aber keine wirksame anonyme Kostenbremse sichtbar.

Mein Fazit: Die KI wirkt auf den ersten Blick freundlich, sachlich und pädagogisch. Genau das ist aber nicht genug. Bei einer politischen Argumentations-KI müsste der Anspruch höher sein: konkrete Zahlen, echte Quellen, saubere Begriffe, realistische Dialoge und transparente Datenschutzantworten.

In meinem Test war die KI fachlich oft dünn, bei Quellen schwach, beim Datenschutz zu pauschal und technisch offenbar offen genug für lange, potenziell teure Antworten.

Kurz gesagt: Sie spart an Analyse, aber nicht zuverlässig an Tokens.